Asbestsanierung
Asbest war in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts das Wunder-Baumaterial schlechthin. In großen Mengen wurde es insbesondere für Brandschutzzwecke und in technischen Anlagen eingesetzt. Im privaten Bereich findet sich Asbest oft in Fußbodenplatten (Flexplatten) aus den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, als Fassadenbekleidung oder Dacheindeckung ("Eternitplatten", "Welleternit").
Nach dem eindeutigen Nachweis der Kanzerogenität von Asbestfasern wurden umfangreiche Asbestsanierungen notwendig, die häufig sehr große Kapitalmengen verschlangen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse, die erstmals von mir auf einer Großbaustelle eingesetzt worden sind, eröffneten Perspektiven für kostensparendere Asbestsanierungen. Bei einem Pilotprojekt im Institut für Warenprüfung und Umwelt der Quelle AG konnte durch Einsatz biologischer Quellmittel die Faserfreisetzung bei der Blauasbestsanierung sicher unter der magischen Grenze von 150.000 Fasern/m3 Luft gehalten werden.
Bei herkömmlichen Sanierungen von Blauasbest werden mehrere Millionen Fasern/m3 Luft freigesetzt. Der Arbeitsbereich muss deswegen mit luftdichten Trennwänden abgeschottet werden und der Zugang zum Arbeitsbereich darf nur über Mehrkammerschleusensysteme mit integrierten Duschen erfolgen. Der Arbeitsbereich muß unter Unterdruck gehalten werden, was durch Einsatz von Absauganlagen mit speziellen Filtersystemen erreicht wird. All dieser Einsatz macht Asbestsanierungen aufwendig und teuer.
Wenn die Faserfreisetzung bei der Sanierung gering gehalten wird und den Wert von 150.000 Fasern /m3 gesichert unterschreitet, kann bei Einhaltung weiterer Kriterien der bisher getriebene Aufwand reduziert werden. Dadurch können Kosteneinsparungen bis zu ca. 20 % erzielt werden.
Das neue Verfahren, das vom Duisburger Institut für Umwelttechnologie und Umweltanalytik entwickelt wurde, benutzt eine Mischung aus biologischen Quellstoffen und Zuschlagstoffen. Flüssig aufgetragen, bildet sich in wenigen Minuten ein Gel, welches die Fasern einbindet. Diese Asbest-Gel-Mischung kann anschließend bei nur noch geringer Faserfreisetzung abgesaugt oder manuell entfernt werden. Auch die ausführende Firma ist vom neuen Verfahren überzeugt. Die Geräte sind leicht zu bedienen, es ergeben sich keine bedeutenden Arbeitszeitverlängerungen und die Staubkonzentration im Arbeitsbereich ist merklich geringer, was wiederum einen verbesserten Schutz für die Arbeitnehmer und Sicherheit für die Freimessungen bedeutet.
Die Bauabteilung der Quelle AG unterstützte die Einführung dieses neuen Verfahrens in vorbildlicher Weise. Durch meine Planung und Bauleitung konnte der gesamte Betrieb im Gebäude weiter laufen und der veranschlagte Kostenrahmen unterschritten werden.
Die während der Asbestentfernung durchgeführten Raumluftmessungen weckten Mut zu mehr. Bei einigen Arbeitsschritten wurden nur noch ca. 20.000 Fasern / m3 Luft freigesetzt. Dies liegt nahe bei der nächsten Grenze von 15.000 Fasern, ab der weitere Vereinfachungen möglich sind. Ich bin überzeugt, dass bei kontinuierlicher Weiterentwicklung des Verfahrens auch diese Schallmauer durchbrochen wird. Damit können endgültig auch Asbestsanierungen in einem kostengünstigen Rahmen durchgeführt werden.
Klicken auf das Bild zeigt einen kleinen Film über diese Sanierung
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